Zu Besuch auf drei Weingütern in Mallorca

Die Insel Mallorca hat sich von der Massentourismusinsel Nr. 1 mittlerweile zu einem der schönsten Flecken im gesamten Mittelmeer entwickelt, ideal für den Individualtouristen oder die High-Society aus Film und Fernsehen. Gleiches gilt für die Weine der Insel - vor wenigen Jahren noch belächelt, bringt das Eiland jetzt einige hervorragende und äußerst begehrte Tropfen auf den Markt, die aufgrund der geringen Produktionsmengen stets schnell vergriffen sind.


Ich besuchte mal wieder im November Mallorca und in verschiedenen Tagen war ich Gast auf drei Weingütern.

 

Zuerst das Weingut (Bodega)

Macià Batle - Winzer-Tradition über Generationen

Der Star unter den Wein-Produzenten zeigt ein ausgeprägtes Faible für Kunst 

Tränen und Wein fließen reichlich in der Verfilmung der balearenweit äußerst bekannten TV-Serie "Llágrima de Sang". Geschäftliches Fortune und emotionale Malessen einer mallorquinischen Winzerfamilie stehen im Mittelpunkt des abendlichen Regional-Programms. Eng verknüpft mit der Serie, spielte sich auch die dahinter stehende Marke Macià Batle in die Herzen der Insel-Bevölkerung. Macià Batle nimmt heute eine Spitzenposition unter den Bodegas vor Ort ein. Mit einem Produktionsvolumen von gut 1.000.000 Flaschen im Jahr gehört das Unternehmen zudem zu den ganz großen ”local playern” der mallorquinischen Weinszene. 

Die Wurzeln der authentischen Gründerfamilie reichen gut fünf Generationen zurück. Damals errichteten Macià Batle und seine bessere Hälfte, Margarita, ein bescheidenes Weingut im Nachbarort Biniali. Man schrieb das Jahr 1856 und Wein gehörte zu den Exportschlagern der Insel. 35 Jahre später, 1891, fand die industriemäßige Produktion von Wein ein jähes Ende. Erst befiel die gemeine Blattlaus, dann das Rebenmehltau die Weinstöcke. Fast schlagartig sank die bewirtschaftete Fläche inselweit von 33.000 Hektar auf 1.300 Hektar - Tausende von Existenzen wurden bedroht. Der Schock saß so tief, dass man über Jahrzehnte kaum noch Weinanbau auf Mallorca betrieb.

Dabei sind die Voraussetzungen ideal. Gerade die Anbaugebiete des Weinguts Macià Batle schützt ein Gebirgszug zuverlässig vor den kalten Nordwinden. Der Windschatten der Sierra de Tramuntana lässt ein mildes Mikroklima entstehen. Zusammen mit den klimatischen Grundbedingungen des Mare Mediterraneum, sanft mit trockenen, langen und warmen Sommern, kurzen Wintern und leichten Regenfällen im Frühling und Herbst, ergibt sich so ein optimales Szenario für gute Weine. Der Boden ist reich an Kalzium, eben oder leicht wellig, braun oder braun-kalkhaltig. Das Relief steigt sanft, und die Reben liegen maximal 75 bis 200 Meter über dem Meeresspiegel. 

Kein Wunder also, dass sich in der Ebene zwischen Palma im Süden und Inca im Nordosten über mindestens 500 Jahre hinweg eines der Kerngebiete mallorquinischer Weinproduktion ausbreiten konnte. Prensal für Weißweine und Manto-Negro, Callet und Fogoneu für die Rotweine wurden hier seit alters her angebaut.

Mit der Errichtung bzw. Erweiterung der neuen Bodega im Jahr 1996 in Santa Maria del Camí, räumte Macià Batle auch neu eingeführten Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Chardonnay mehr Raum ein. Die Produktionsanlagen entsprechen heute neuster Technik und können von jedermann frei besichtigt werden. 

Zum Standard-Repertoire der Bodega Macià Balte gehören neben den drei Rotweinen, ”Crianza”, ”Reserva Privada” und dem Jahreswein, ”Añada”, ein Rosé, ein Weißwein und die sogenannten „Sonderausgaben“. Dabei handelt es sich um interessante kleinere Serien neuer oder ausgefallener Coupagen, um Spezialitäten wie Süßwein oder um Produkte, die die Themen Wein und Kunst verquicken. Gerade Letzteres ist ein ausdrückliches Anliegen des letzten Batle Erben, Don Ramón Servalls i Batle. Nicht zuletzt seiner Intervention ist es zu verdenken, dass auch über die Grenzen der Insel hinaus bekannte Künstler wie Rebecca Horn, Yannick Vu, Erwin Bechtold, Francesca Martí und Pep Coll immer wieder Flaschen-Etiketten für den Megaseller entwerfen. Oft entstehen so echte Sammlerstücke, die im Sótano, am Endpunkt einer höchst interessanten Führung durch die Produktions- und Lagerhallen innerhalb einer festen Ausstellung zu sehen sind. Verfügbarkeit vorausgesetzt, kann man die Sonderausgaben auch erwerben. 

Nicht ganz selbstverständlich übrigens: Das Weingut zeigt sich bei der Besichtigung und Verkostung bemerkenswert kulant und großzügig. Das Ambiente ist weltoffen und souverän, der Empfang entschieden freundlich.

Ein professioneller und polyglotter Service bietet den Rundumgenuss - selbst jenseits guter Weine. Denn das Stammhaus vertreibt unter eignem Namen auch komplementäre biologisch kultivierte Inselspezialitäten wie kaltgepresstes Olivenöl, Remallet-Tomaten-Pürrees und vieles andere mehr.

 

Rund 100 Hektar im Ertrag / Stand 2015


 


Castell Miquel 

 Ein kleineres privat geführtes Weingut in den Bergen bei Alaro (cirka 25 Hektar)



 

Die besondere Land­schaft um Ala­ró und das ma­le­ri­sche Tal zu Fuße des Castells ma­chen die Fin­ca zu einer der in­te­res­san­tes­ten Adres­sen für außer­ge­wöhn­li­che Wein­de­gus­ta­tionen, Kon­fe­ren­zen, Ta­gungen, Se­mi­na­re oder andere Un­ter­neh­mens-Events.
Zusätzlich bietet Castell Miquel die Ver­bin­dung von Wein & Kunst vor dem traum­haf­ten Pa­no­ra­ma der Tra­mun­ta­na-Ber­ge im Nord­wes­ten Mal­lor­cas.

Das der erfolgreiche Heilpflanzenexperte und Vorstandsvorsitzende von Bionorica Prof. Dr. Popp die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Weines kennt, versteht sich von selbst: "Unser Ziel ist es, Wein herzustellen, der sowohl in seiner sinnlichen als auch in seiner gesundheitsfördernden Dimension einen internationalen Platz einnimmt."

Das Ergebnis sind gehaltvolle Weine, die sich unter anderem durch eine opulente Aromenfülle auszeichnen - von zarten Vanilletönen über schwarze Johannisbeere und frische Feigen bis hin zu einer Spur exotischer Würze. Wie das erreicht wird, ist das Geheimnis des Kellermeisters. Aber Castell Miquel lüftet es ein wenig, denn die Inhaltsstoffe werden - wie bei einer Arznei - wissenschafltich analysiert und deklariert.

Ferrer Binissalem

Die Weinkellerei José L. Ferrer liegt vor den Toren der Stadt Binissalem, wurde im Jahre 1931 gegründet und ist im Laufe der Zeit durch Erneuerung ihrer Einrichtungen mit dem Ziel der Verbesserung der Qualität und der Entwicklung der Weine gewachsen. Die Prokuktionsstätte ist in zwei Bereiche unterteilt: 

- Die bei der Gründung im Jahr 1931 gebaute Kellerei mit Kellergewölbe und Zementtanks, in denen heute noch die Gärung und Lagerung von Qualitätsweinen stattfindet. So wird die Tradition mit verschiedenen neuen Technologien verbunden, welche eine kontrollierterte Herstellung ermöglichen.

- Der Keller aus dem Jahr 1995 besteht aus einem neuen Anbau mit 2 Edelstahl-Fülltrichtern, 3 pneumatischen Pressen und 14 Edelstahltanks (35.000 l) für die Gärung mit automatischer Temperaturregelung. Dazu kommen noch 3 Kühlbehälter von 17.500 l zur Herstellung der Weissweine.  Desweiteren gibt es 2 Keller mit einer Kapazität von 2.000 Eichenfässern und einem Flaschenlager. In diesen Kellern findet der Ausbau in Eiche und in Flaschen der Crianza- und Reservaweinen statt.


Derzeit wird im Jahre 2015 eine neue Halle und Keller angebaut. Die Halle wird in 2016 eröffnet.


Im Ertrag 2015  rund 195 Hektar Weinberge. Davon cirka 125 Hektar Eigenbesitz.

Somit die grösste Kellerei / Weingut auf der Insel.

Erstellt am 29.11.2015 / SE